Stefan Kuntz über HSV-Aus – Wehrt sich weiter gegen Vorwürfe

Bericht über geheime Klauseln 

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Nach seinem überraschenden Ausscheiden beim Hamburger SV hat sich der frühere Nationalspieler Stefan Kuntz erneut öffentlich gegen die Vorwürfe gewehrt, die zu seinem Abschied als Sportvorstand des Bundesliga-Aufsteigers geführt haben. Über das entscheidende Gespräch mit zwei Aufsichtsräten des HSV sagte der 63-Jährige der „Süddeutschen Zeitung“: „Da habe ich gedacht: Ah, jetzt kommen die, um endlich meinen Vertrag zu verlängern.“ Ein schwerwiegendes Fehlverhalten sieht er dem Bericht zufolge in seinem Handeln beim HSV nicht.

Am 2. Januar war die Trennung zwischen Kuntz und dem Klub verkündet worden. Zunächst war in der Mitteilung des HSV von „familiären Gründen“ die Rede. Einen Tag nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“, gegen die Kuntz und seine Anwälte gerichtlich vorgehen, teilte der Aufsichtsrat jedoch mit, dass der Abschied im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen eines angeblichen Fehlverhaltens von Kuntz stehe.

Die „SZ“ berichtet, dass im Aufhebungsvertrag eine Geheim-Klausel inkludiert war. Inhalt sei die Vereinbarung über die Sprachregelung „private familiäre Gründe“ als Begründung für die Trennung gewesen. Die SZ schreibt: „Jedes Mal, wenn eine der Parteien von dieser Darstellung abweicht, muss sie der anderen Partei 100 000 Euro Vertragsstrafe zahlen.“ Am Freitag bestätigte auch die „Bild“-Zeitung in Berufung auf eigene Quellen diese Klausel.

Kuntz‘ Anwalt Christian Schertz sagte der „SZ“: Bis heute wisse Kuntz nicht, „was ihm von welcher Person und in welcher Situation überhaupt konkret vorgeworfen wird“. In der Erklärung des HSV-Aufsichtsrats heißt es jedoch: „Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat hat Herr Kuntz trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt.“

Kuntz’ Vertrag wäre noch bis Saisonende gelaufen und hätte sich bei einem Klassenerhalt automatisch um ein weiteres Jahr verlängert. Laut „SZ“ zahlte der HSV nun eine Abfindung in Höhe von drei Monatsgehältern sowie 50 Prozent für die weiteren drei Monate bis Vertragsende. Laut „BILD“ ist diese Angabe allerdings nur zum Teil korrekt.

In seiner Karriere war Kuntz Profi unter anderem beim VfL Bochum, dem 1. FC Kaiserslautern, Arminia Bielefeld und in der Türkei bei Besiktas Istanbul. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1996 Europameister. Nach seiner Spielerkarriere arbeitete er als Trainer bei mehreren Vereinen, für die deutsche U21-Auswahl und die türkische Nationalmannschaft. Beim 1. FC Kaiserslautern war er von 2008 bis Januar 2016 Vorstandschef. Zudem war er als Experte bei TV-Sendern gefragt und gilt als Sympathieträger. 2025 führte Kuntz den HSV im ersten Jahr seines Wirkens als Sportvorstand zurück in die Bundesliga.

HSV reagierte auf Berichterstattung über Vorwürfe gegen Kuntz

Der frühere Torjäger hatte den Vorwürfen im Zusammenhang mit seinem plötzlichen HSV-Abschied bereits widersprochen. Daraufhin gab wiederum der Aufsichtsrat der Hamburger eine Erklärung ab und bezog Stellung zur Berichterstattung. „Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat hat Herr Kuntz trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt. Vor dem dargestellten Hintergrund sind die Vorwürfe einer ‚Verleumdungskampagne‘ gegen Stefan Kuntz klar unzutreffend und irreführend“, teilte der Bundesligist am 12. Januar 2026 unter anderem mit.

Erstmals seien im Dezember Vorwürfe an das Gremium herangetragen worden, danach seien umgehend externe Anwälte mit der Aufklärung beauftragt worden. „Nach sorgfältiger Prüfung und der Erkenntnis, dass die Vorwürfe glaubhaft sind, hat der Aufsichtsrat umgehend entschieden, eine schnellstmögliche Trennung von dem Vorstandsmitglied anzustreben“, hieß es in der Mitteilung. Im Zuge der Trennung habe der Schutz der Betroffenen oberste Priorität gehabt und dieser halte weiterhin an. Der HSV dulde unabhängig der Position der Beschuldigten ein solches Verhalten in keinem Fall, weshalb die Trennung unmittelbar vollzogen wurde.

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